Positive Reaktionen auf die Lesung "Liebe und andere Nebensächlichkeiten“
Das Experiment des TSV Brettls eine Lesung zu veranstalten war mehr als ein voller Erfolg. So groß die Sorge im Vorfeld vor einer Enttäuschung war, so unnötig war diese im Nachhinein. Lt. der Leiterin der Bücherei war die Lesung weit über dem Durchschnitt besucht. Die Nervosität von unfassbaren 47 Anmeldungen sah man den beiden Protagonisten überhaupt nicht an. Im Gegenteil. Vor so einer großen Kulisse meisterten Anke und Peter die Lesung mit Bravour und vereinnahmten das Publikum charmant mit ihrer improvisierten Darbietung. So verging die Zeit im Nu. Der donnernde Applaus war mehr als verdient. Ein kleines Q&A rundete dem sehr gelungenen Abend ab, welcher beim Italiener noch ordentlich gefeiert wurde.
Ein ganz großes Dankeschön geht nicht nur an die beiden Darsteller sondern auch an Volker, der viel Herzblut in das Experiment steckte. Experiment gelungen, Patient lebt. Es war der verdiente Lohn für die Mühen neue Wege zu beschreiten.
Ein großer Dank geht auch an die Gemeindebücherei und an die Leiterin Gabriele Küblböck samt Mitarbeitern, dass die Lesung dort stattfinden konnte. Sie waren perfekte „Gastgeber“. Alle haben sich in der Bücherei sehr wohl gefühlt.
Hier der Link zum YouTube-Video zur Lesung!
Text: Peter V.
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Pressetext: ELFRIEDE PEIL / Dachauer Nachrichten / Ausgabe 20.06.25
"Liebe und andere Nebensächlichkeiten“
Szenische Lesung mit Anke Schwalbe und Peter Kraft vom TSV Brettl am 17.06.25
Dass die Gemeindebücherei Karlsfeld nicht nur Bücher präsentiert, sondern auch ein Ort ist, der Menschen zusammenbringt, zeigt sich häufiger. Auch jetzt kamen rund 40 Interessierte zu einem literarischen Abend, wie Leiterin Gabriele Küblböck erfreut feststellte. Man traf Bekannte, amüsierte sich gemeinsam und teilte so manchen Seufzer.
Anke Schwalbe und Peter Kraft sind Ensemble-Mitglieder des TSV-Brettl. Sie lasen vier Kurzgeschichten vor, die allesamt von der „Liebe und anderen Nebensächlichkeiten" handelten, mit viel Lust und Laune und sehr einfühlsam. Wobei die Liebe ein unerschöpfliches Thema ist, wie Anke Schwalbe in ihrer Einführung sagte. Und zu dem wahrhaftig Jeder und Jede so seine eigenen Erfahrungen hat. Dass sie eine von „anderen Nebensächlichkeiten" ist, darf man also getrost als Ironie begreifen.
Da ist „Die Geschichte vom Brief und der Analphabetin" von Michail Sostschenkow, dem russischen Dichter, der von 1894 bis 1958 lebte. Er beschreibt voller Liebe die leidende Liebe eines gebildeten Mannes namens Iwan Nikolajewitsch zu seiner ungebildeten Frau Pelageja, und umgekehrt. Der war der „Sache des Sozialismus ergeben und so weiter" und konnte vor jedem Publikum kluge Reden halten. Während seine Frau noch nicht ein- mal ihren eigenen Namen schreiben konnte, geschweige denn auch nur ein Wort lesen. Als sie eines Tages im Jackett ihres Iwan einen Brief findet, der verräterisch nach Parfüm duftet, greift sie denn doch zu einer Fibel zum Selbstlernen. Und schafft es innerhalb von drei Monaten tatsächlich, den Brief zu entziffern. Am Ende darf sie klug erkennen, dass sie keinen Grund zur Eifersucht hatte, aber allen Grund, stolz zu sein auf ihren raffinierten Trickser Iwan. Man kann diese Geschichte in ganzer Länge im Internet finden und sich freuen an der humorvollen Sprache von Sostschenkow.
Eine eher philosophische Betrachtung bringt die Erzählung von Frank Wedekind: Die Liebe auf den ersten Blick. Wedekind wurde unter anderem bekannt mit seinem Roman „Frühlings Erwachen" im Jahr 1891. Ein wieder sehr kluger Mann gibt vor, sich innerhalb von drei Stunden ein umfassendes Bild von einer Frau gemacht zu haben. Weil er sich so schnell in sie verliebt hat, will er sie auch sofort heiraten. Köstlich, wie Wedekind den Mann schwärmen lässt vom Gang seiner Angebeteten, der ihm ihre inneren Werte verrät. Alles weiß er von ihr, so seine tiefe Überzeugung. Aber ob nicht doch die Liebe blind macht“, vor allem jene auf den ersten Blick, blieb denn noch eine Frage. Und zwar eine ohne Antwort.
Eine ganz überraschende Antwort gibt eine „Geschichte, die zum Nachdenken über die Beziehung anregt". Ein k unbekannter Autor hat hier eine schön traurige Erzählung geschrieben, wie Anke Schwalbe sagt. Ein Mann will sich scheiden lassen, weil er eine Geliebte hat. Seine Noch-Ehefrau wird einwilligen, unter einer Bedingung: Er muss sie jeden Tag aus dem Schlafzimmer bis zur Wohnungstür auf Händen heraustragen, wie umgekehrt er es am Tag ihrer Hochzeit gemacht hat. Jeden: wird er wieder vertrauter mit ihr. Und sie wird jeden Tag leichter. Bis er sie nach vier Wochen tot im Bett findet, sie hatte Krebs. Da wird der Treueschwur „Bis dass der Tod Euch scheidet" zur bitteren Antwort.
Vom aktuellen Jugendleben mit Online-Briefen hin und her, dem Chatten, handelt die Story über die „Pazifikträume" von Lisa Altmeyer, einer jungen Autorin. Da wird wieder klar: Egal, wie alt man ist - die Liebe ist und bleibt Romantik pur. Vorausgesetzt, sie hat einen erwischt.
Der stellvertretende Abteilungsleiter des Brettl beim TSV Eintracht Karlsfeld und Regisseur Volker Knittel verriet am Ende der Lesung, dass Anke Schwalbe und Peter Kraft im Herbst beim neuen Stück in voller Aktion zu sehen und nicht nur zu hören sind: „Sie werden da richtig loslegen."


Bilder: Volker Knittel





