Von Lauf10! zum Marathonfinisher

2016

Meine Frau hat an Lauf10! teilgenommen und mich nach den ersten Terminen überredet sie zu begleiten. Zu dieser Zeit hatte ich gelegentlich mal eine Runde um den See gedreht. Durch das regelmäßige Lauf10!-Training 3 x die Woche haben wir es am Ende der Aktion geschafft den 10 km Abschlußlauf in Wolnzach zu bewältigen – den langen Anstieg sind wir gegangen, frei nach dem Motto „laufen solange es geht und gehen bis es wieder läuft“.

Auch nach der Lauf10! Aktion bin ich regelmäßig 3 x die Woche weitergelaufen und mein nächstes Ziel waren die 10 km beim Seelauf. Die konnte ich dann in knapp über 1 Stunde durchlaufen. Inzwischen ist das regelmäßige Laufen fest eingeplant. Ich bin den Winter recht konsequent durchgelaufen und konnte dabei meine Trainingsumfänge nach und nach steigern.

In 2016 zählte meine Lauf-App: 490 km
Von meinen 105 kg Startgewicht sind nur etwa 2 kg runter gegangen, liegt wohl daran dass mein Motto ist, wer trainiert muss auch Energie bereitstellen.

 

2017

Im Frühjahr waren Trainingsläufe auch gut über 10 km keine Seltenheit mehr.
Bei Lauf10! waren unsere Trainer Peter F und Andi auf der Suche nach Unterstützung und so kam es, dass ich nicht als Teilnehmer, sondern als Betreuer wieder mit dabei war.
Nach wie vor steigere ich meine Laufumfänge und ich entscheide mich den Spaß vom letzten Jahr „Und nächstes Jahr Lauf21!“ umzusetzen und melde mich zum Halbmarathon Anfang Oktober an. Nach Lauf10! beginnt das Laufen nach Trainingsplan für den Halbmarathon. 03.10.2017 Bei dem Halbmarathon sind 4 Runden zu laufen. Bei km 18 macht sich die lange Strecke bemerkbar. Klar, weiter bin ich in der Vorbereitung noch nicht gelaufen. Ab km 19 führt die Strecke wieder zurück zum Ziel, das macht es wieder etwas leichter. Etwas unter 2 h habe ich das Ziel erreicht. Halbmarathon geschafft.

Auch diesen Herbst laufe ich konsequent weiter. Im Dezember laufe ich bei einem ausgedehnten Lauf erneut 21 km.

In 2017 komme ich auf 1280 gelaufene km und bin auf etwa 96 kg runter.

 

2018

Auch diesen Winter laufe ich konsequent weiter. Im Januar und Februar laufe ich ebenfalls je 1x die Halbmarathondistanz. Da kommt wieder der Gedanke, den ich schon als Jugendlicher hatte: Einmal einen Marathon laufen. Bisher war der innere Schweinehund aber immer zu groß. Vor rund 15 Jahren hatten wir schon einmal das Glück, dass sich Vasili die Zeit genommen hatte, eine Gruppe von Laufanfängern an den Lauftreff des TSV heranzuführen. Aber wie es manchmal eben so kommt, der innere Schweinehund hatte damals nach einiger Zeit im Winter wieder gewonnen. Jetzt scheint die Zeit reif, um es in die Tat umzusetzen, also melde ich mich für München an.

Bei Lauf10! betreue ich erneut eine Gruppe, an die drei Lauf10! Einheiten hänge ich noch was dran und an einem weiteren Tag laufe ich auch. Da kamen auch immer mal wieder Halbmarathondistanzen zusammen.

Nach Abschluss der Lauf10!-Aktion beginnt die gezielte Marathonvorbereitung über zwölf Wochen - 4 Trainingseinheiten pro Woche, davon fast jeden Sonntag ein langer Lauf, dessen Länge zunimmt:

Das Training läuft gut an, der erste 25 km Lauf läuft problemlos.

Die beiden Läufe über 28 km machen mir jedoch Probleme. Beim ersten bin ich nach 23 km platt und benötige eine Pause, um dann noch die 5 km nach Hause zu traben. Das Tempo war wohl zu hoch und die Heimreise aus dem Urlaub am Tag davor scheinbar auch nicht der ideale Ruhetag. Der zweite 28 km Lauf läuft von Anfang an zäh. Ab km 20 ständig der Gedanke zu gehen. Bis km 24 bin ich noch gekommen und dann noch 1,5 km nach Hause gegangen. Da ich diesen Lauf einen Tag vorgezogen hatte, fehlte der Ruhetag vor dem langen Lauf. Erklärungen gefunden, die Zweifel ließen sich damit begrenzen.

In der 5.Woche zieht es nach der Trainingseinheit am Mittwoch außen am linken Knie. Erst eineinhalb Wochen danach bin ich wieder schmerzfrei beim Laufen und kann wieder Laufeinheiten durchführen. Die Zeit habe ich mit Radfahren und Schwimmen überbrückt. So jetzt fehlen einige Einheiten und 2 lange Läufe. Ob das noch was wird?

Die Einheiten laufen wieder, ich gehe es vom Tempo her aber etwas vorsichtiger an, ist eh ganz schön heiß.

Am 09.09. starte ich beim Halbmarathon in Friedberg und wähle ein Tempo bei dem ich mir zutraue den Berg zu verkraften und mit ausgiebigem Ein- und Auslaufen trotzdem auf 30 km zu kommen. Das hat wie gewünscht funktioniert – Wow das läuft. Am Montag habe ich jedoch Muskelkater der Berg hat seine Wirkung gezeigt. Wieder eine Einheit ausfallen lassen.

Sonntag 16.09. Seelauf, wieder längeres Einlaufen. Der Halbmarathon läuft. Viele Streckenposten kenne ich, das macht richtig Spaß und motiviert. Ich konnte mein geplantes Tempo wieder gut durchziehen. Beim Auslaufen habe ich Vasili auf seinem 10 km-Seelauf gesucht und gefunden und ihn dann knapp 7 km bis ins Ziel begleitet – Hut ab, der ist mit seinen 80 Jahren noch den 10er gelaufen. An diesem Tag habe ich meine ersten 32 km zusammengebracht. Es läuft gut, da kann nichts mehr schief gehen. Mein Höhenflug findet aber am Montag sofort sein Ende, jetzt schmerzt die Ferse links. Erstmal wieder Pause. Am Donnerstag Radfahren. Freitag Techniktraining, die Ferse spielt wieder einigermaßen mit.

Die beiden folgenden 32 km Läufe liefen wieder gut. Ich bin fit und gut vorbereitet – der Marathon in 2 Wochen kann kommen.
Die letzten Einheiten laufen gut – nehmen ja auch von Umfang und Intensität ab, die Körner werden ja am Sonntag benötigt.

1620 km habe ich in 2018 vor dem Marathon schon zusammengebracht und bin auf 93 kg runter. Damit zähle ich wohl nach wie vor zu den Schwergewichten unter den Läufern.

Sonntag 14.10.2018 heute ist es also soweit:

Ich fahre in den Olympiapark bekomme einen Parkplatz in der Parkharfe, damit geht es schon mal planmäßig los. Ich bereite mich auf den Lauf vor. Zum Glück ist es schon warm genug. So ist es  in kurzer Hose und T-Shirt gut auszuhalten, es soll heute noch warm werden. Aufs Einlaufen verzichte ich, die Strecke ist ja lang genug. Es geht los, ich versuche nur auf mein eigenes Tempo zu achten und mich nicht von der Masse mitziehen zu lassen, dabei hilft mir auch mein Knopf im Ohr, über den mir die Lauf-App alle 500 m meine Zeit des letzten km sagt. So gelingt es mir gut das Tempo, das ich mir vorgenommen habe, zu halten. Nach ein paar km laufe ich in einem Umfeld das etwa das gleiche Tempo läuft.

Km 5, 10, 15, 20, Halbmarathondistanz
Ich laufe locker mein Tempo und ich liege meinem Zeitplan geringfügig voraus. Es fühlt sich prima an.

Km 22
Der Knopf im Ohr vermeldet einen geringen Anstieg der km Zeit – ein bisschen früher als erwartet aber halb so wild.

bis km 25
Ich werde noch ein bisschen langsamer. Das Gefühl:" ich könnte ja locker schneller wenn ich wollte" ist weg. Ich merke, dass sich die Läufer um mich herum allmählich verändern und die meisten mit denen ich lange Zeit etwa gleich auf gelaufen bin, laufen mir allmählich davon. Der Anstieg in der Sonne ist jetzt auch nicht mehr lustig. Da kommen auch schon die Pacemaker mit meiner Traumzielzeit langsam an mir vorbei. Es macht keinen Sinn zu versuchen mit Gewalt dran zubleiben, dafür ist der Weg noch zu weit. Ich lasse sie ziehen. Den Traum kann ich schon mal abhaken, aber ich bin immer noch gut unterwegs. Schneller war ich auf 25 km bisher noch nicht.

Bis km 30
Der Knopf im Ohr vermeldet unerbittlich steigende km-Zeiten – raus damit, das will ich gar nicht mehr hören. An der Verpflegungsstation gehe ich das erste mal, um ein Stückchen Energieriegel zu essen und zu trinken, danach laufe ich weiter. Und es sind meine bisher schnellsten 30 km.

Bis km 35
Kurz nach km 30 stand Peter F, das setzte nochmal Kräfte frei. Mir gelingt ein letzter km unter 6 min. Danach werde aber nach wie vor langsamer. Jetzt beginnt Neuland ich bin über die 32 km hinaus - Alles was jetzt kommt ist Bestleistung. So jetzt noch die Schleife zum Königsplatz.Auf der anderen Straßenseite führt die Strecke zurück, dazwischen wären nur Hütchen es wäre so leicht abzukürzen … Nix da, das wird durchgezogen. Nochmal eine Verpflegungsstation, wieder gehen um ein Stückchen zu essen und in Ruhe zu trinken und ich laufe weiter. Jetzt bin ich auch über meine bisherige Trainingsdauer hinaus.

km 37,5
Die nächsten Pacemaker sind an mir vorbei. Nächstes Zeitziel dahin. Da vorne kommt doch wieder ein Wasserstand, da gehe ich jetzt mal drauf zu und auch danach noch ein bisschen länger. Etwa bei km 37,9 laufe ich wieder weiter. Da ist es wieder „laufen solange es geht, gehen bis es wieder läuft“
Nach einem kurzen Stück, an der Biermeile, trinke ich wieder im gehen (Weißbier alkfr) und trabe wieder weiter.
Kurz darauf steht nochmal Peter F und muntert mich auf, zum Glück bin ich da gerade nicht gegangen.

km 39
Ein kurzer Stich außen am linken Knie, damit war der letzte Wille weiterzutraben gebrochen, ab jetzt wird gegangen, aber ich will durch das Marathontor ins Olympiastadion und über die Ziellinie.

km 40
Am Verpflegungsstand muss ich diesmal wenigstens nicht extra gehen, mache ich eh schon. Das Knie macht im gehen keinen weiteren Ärger und da ich vorsichtshalber nur noch beabsichtige zu gehen, gönne ich mir diesmal mehr Getränke. Leider kommt mein Körper mit der Getränkemenge nicht zurecht und der "Mann mit dem Hammer" schlägt zu und ich kann nur noch langsam gehen.
Sowohl von vorbeiziehenden Läufern, als auch den Zuschauern an der Strecke höre ich auf den letzten beiden km oft „Peter es ist nicht mehr weit“ „Peter du hast es gleich geschafft“

Ca. bei km 41,5 wird es langsam wieder besser und ich gehe zumindest wieder in normalem Tempo. Kurz vor dem Stadion stehen Karina, Raffa, Vasili und Ingrid. Ich lege ein kurzes Päuschen ein, nehme einen Schluck Wasser, entschuldige mich für meine Verspätung und mache mich auf den Weg ins Stadion.
Der Durchgang ins Stadion geht leicht abwärts. Da grüßen mich nochmal meine Oberschenkel. Damit ist der Vorsatz zumindest noch die ganze Stadionrunde zu laufen dahin und ich gehe weiter.
In der Kurve vor der Zielgeraden trabe ich langsam wieder an, das Knie spielt mit, also noch die Zielgerade für das Zielvideo traben.

Ja, geschafft, ich bin im Ziel und ab sofort Marathonfinisher.

Ich hole mir was von der Zielverpflegung, suche mir ein schattiges Plätzchen, setze mich hin und genieße den Triumph. Eine gute Stunde später traue ich mir den Aufstieg über die Treppen aus dem Stadion und den Weg zum Auto wieder zu und mache mich mit der Erkenntnis auf den Heimweg, dass das von mir gewählte Tempo zu schnell war. Das mache ich beim nächsten Marathon besser. Da laufe ich langsamer, um schneller ins Ziel zu kommen.
Zuhause habe ich Halsschmerzen und es entwickelt sich eine Erkältung. Bleibt die Frage was war zuerst da? Der Infekt der mir früher und stärker die Kräfte raubte oder kam er durch die Belastung?
Der Muskelkater ist nicht so schlimm wie befürchtet ausgefallen, bereits am Dienstag war er nur noch abwärts beim Treppensteigen zu spüren.

Danke an alle die mich auf dem Weg vom Lauf10!-Teilnehmer bis ins Ziel in München begleitet haben. Ob als Trainer, Berater, Laufpartner oder „Lauf10!er“, Ihr habt alle Anteil daran, dass ich über die Ziellinie gekommen bin.

 

Peter Zeller

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