Zum Andenken

Zum Andenken


Eine Würdigung des Wirkens von Fritz Haberstumpf als Trainer und Pionier des Mädchen- und Frauenfußballs,
von Marion Schmidt.

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Für Eleonore, Cornelia, Christina, Carolin und Christopher.

Fritz hat in den letzten Jahren verschiedene 1. Mannschaften von Vereinen im Raum München trainiert. Er hatte den A-Schein als Fußballtrainer.
Wie kommt ein Vollblutsportler, ein professionell ausgebildeter Fußballlehrer also dazu, sich ausgerechnet mit Mädchen- und Damenfußball zu befassen.
Mit Sicherheit gaben seine Töchter den Anstoß, ein Team aufzubauen, in dem es möglich war, ihrem Interesse, es dem Papa fußballerisch gleichzutun, nachzugehen. Aber wie die ganze Sache angehen.
Es war nicht die Art von Fritz Haberstumpf, auf die Initiative von anderen zu warten, wie man in Karlsfeld etwas für den Mädchenfußball tun könnte.

Dazu war er zu sehr besessen, zu sehr mit Temperament, Kampfgeist, Phantasie und Lebenswitz ausgestattet, als dass er sich auf die Wartebank gesetzt hätte.
Zunächst traf sich ein kleiner Kreis von Mädchen auf dem Bolzplatz beim See um Fußball zu spielen. Dies war im Frühjahr 1996, also vor 6 Jahren. Schon bald reichte der Bolzplatz nicht mehr aus und Fritz suchte die Nähe zum Verein. Auch dies tat er zunächst ganz praktisch, indem er mit den Mädchen über den Zaun zum Sportplatz kletterte, denn ohne ordentlichen Rasen rollt auch der Ball nicht.
Freundschaftsspiele wurden ausgemacht und beim Verein zum Herbst ein Mädchenteam angemeldet.
Damit war der Stein ins Rollen gebracht für eine äußerst erfolgreiche Jugendarbeit für den Mädchen- und Damenfußball.

Fritz kümmerte sich phantasievoll und lebendig um Nachwuchs. Da er nicht nur Fußball- sondern auch Gitarrenlehrer war, stand für ihn fest, dass Gitarristinnen nicht nur fähig sind, fleißig und brav die Saiten zupfen, sondern eventuell auch gern den Ball kicken können.
Umzug zum Siedlerfest in Karlsfeld, Fritz und die Mädchen waren da, Werbung zu machen.
So kamen mit der Zeit mehrere Teams in den verschiedenen Altersklassen zusammen. Es kostete ihn viel Zeit und Energie all diese Kinder und Jugendlichen beisammen zu halten, und ihnen mit viel Geduld den begehrtesten und beliebtesten Volkssport der Welt beizubringen.

Und darin war er unermüdlich. Unerbittlich war seine Forderung, kontinuierlich zum Training zu erscheinen. Es gibt nur einen Grund nicht zum Training zum kommen“ sagte er, „wenn du auf deine eigene Beerdigung musst.“ Durch zähe Trainingsarbeit blieb der Erfolg nicht aus. Unsere D-Mädchen wurden als unbesiegtes Team in ihrer Gruppe bei der Talentiade der SZ ausgezeichnet. Einige Spielerinnen qualifizierten sich für die Auswahl in Bezirk und Land.

Nicht einfach war es, dabei die Anerkennung der Männerkollegen und des Vereins zu gewinnen. Viele belächelten ihn, weil Mädchen schließlich nicht Fußballspielen können. Oder weil man nicht begreifen wollte, wie so einer, mit so einem Können sich auf dieses Niveau herab begeben mag.
Aber gerade das hat uns an ihm begeistert. Es hat lange gedauert bis die Akzeptanz im TSV-Karlsfeld sich entwickelte.

Er sei kein einfacher Mensch, hieß es da. Aber – wer ist schon ein einfacher Mensch. Einfältige Menschen – die gibt es – aber einfache? Und schon gar nicht der Fritz Haberstumpf. Er war ein Mensch mit Ecken und Kanten, ein liebenswerter Dickschädel, der rauh sein konnte, aber auch sehr einfühlsam, liebevoll und sensibel. Und er war überzeugt von dem was er tat. Seine Arbeit mit unseren Töchtern beinhaltete nicht nur Fußball – auch wenn er hier immer mit vollem Engagement bei der Sache war. Langeweile in den Ferien – keine Spur. Pfingsten ein Trainingslager am Weissensee, vor der Saison ein Trainingslager in Karlsfeld mit anschließendem Kinoabend.

Im Sommer ein Grillfest auf dem Sportplatz mit geplanter Übernachtung unter freiem Himmel. Da es dann regnete, schlich er sich mit den Mädels klammheimlich in die Turnhalle. Übernachtung auf Turnmatten. Welcher Genuss für uns Eltern, rotbackige Mädchen in Empfang zu nehmen nach Training oder Spiel, abgekämpft aber glücklich, auch wenn mancher Vater schon genervt war, weil jeder zweite Satz begann mit „der Fritz hat gsagt“.
Fritz Haberstumpf hat sein Leben dem Sport und der Musik und seiner Familie verschrieben.
Wir hatten das Glück, dass wir daran Anteil haben konnten, ich möchte daher seiner Familie meinen Dank und tiefstes Mitgefühl zum Ausdruck bringen. Der Fritz hat sich in vielfältiger Weise für die Spielerinnen eingesetzt.

Für ihn war es unakzeptabel, dass eine unsere Spielerinnen aus dem Kosovo von Abschiebung bedroht war, obwohl sie schon 8 Jahre ihrer Kindheit und Jugend hier verbracht hatte. Da muss man doch was machen, dachte er und er machte was. Er spielte mit seiner Band eine Riesenspende für Violcas Familie ein. Welcher Trainer würde es sich zumuten, ein asthmakrankes Kind in seine Mannschaft zu integrieren?
Der Fritz tat es. Johanna konnte kaum eine Runde laufen, als sie mit Fußball begann. Heute läuft sie bei den Damen ein ganzes Spiel durch.

Wer würde in seiner 1.Mannschaft einen Vater als Quereinsteiger integrieren, der keine Ahnung hat, wie das Runde ins Eckige zu bringen ist. Ich selber wusste vor zwei Jahren noch nicht, dass ich heuer auf dem Platz stehen würde, um unsere Damen beim Klassenerhalt zu unterstützen.

Seine Devise war: „Hindernis, wo bist du, damit wir es überwinden.“ Sein Mut und seine Verwegenheit war es, die uns alle beflügelte. Umso schmerzlicher trifft uns alle sein Fortgang. Wir alle sind nur Gäste auf Zeit auf dem Spielfeld Erde. Wann der Abpfiff kommt, können wir uns nicht aussuchen.

Aber wie wir unser Leben gestalten, darin ist Fritz uns ein Vorbild. Dass sein Abgang so abrupt, so plötzlich kommt, ist für uns alle unfasslich. Festhalten werden wir

  • Seine Ausstrahlung
  • Sein Engagement
  • Seine unvoreingenomme Freundschaft
  • Seinen Kampfgeist
  • Seinen Lebenswillen und Lebenswitz

Unvergesslich – Fritz

Vielen Dank von Deinen Mädchen

 

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